Kreuzberger Mächte

So sähe es wohl aus, wenn Linke und Konservative sich darauf einigen könnten, im Reaktionären ihre Gemeinsamkeit zu finden:

In Kreuzberg gibt es eine neue Initiative gegen sexistische Werbung. Sie soll verhindern, dass Frauen als „(willens)schwach, hysterisch, dumm, unzurechnungsfähig, naiv,“ als nicht „ohne Anlass lächelnd inszeniert, zu körperbetont bekleidet“ dargestellt werden. Auch Werbung, die vermittelt, „dass Frauen hilfsbedürftig, fürsorglich, mit großer Freude im Haushalt beschäftigt, konsumsüchtig, abhängig, verführerisch, schön“ sind, bzw. impliziert, dass es besser ist, weniger zu wiegen oder eine glattere Haut zu haben, ist unerwünscht.

Wenn ich das richtig verstehe, wirbt man zukünftig in Kreuzberg mit Frauen die willensstark, kontrolliert, schlau, zurechnungsfähig und abgeklärt sind, nur auf starke Reize mit einem Lächeln reagieren und ihre Körperformen großflächig verhüllen. Sie brauchen keine Hilfe, sind nicht fürsorglich und hassen Haushaltsarbeit ebenso wie Konsum, sind unabhängig, unattraktiv und hässlich. Außerdem finden sie es besser, mehr zu wiegen und unebene Haut zu haben.

Wenn die Kreuzberger jetzt noch Musik im öffentlichen Raum verbieten, könnte das ein grandioser Beitrag zur Integration werden – unsere aus Pakistan oder Afghanistan eingewanderten Mitbürger mit kulturellen Taliban-Rudimenten dürften sich darum reißen, eine gemeinsame Initiative mit den Kreuzbergern dieses Schlages zur Eindämmung gottlosen Verhaltens zu gründen.

Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/jan-fleischhauer-ueber-frauenfeindliche-werbung-a-1031039.html

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2 Gedanken zu “Kreuzberger Mächte

  1. Widerspruch!
    Es gibt Werbung, die sexistische Darstellungen bewusst einsetzt. Sie zeigt stereotype Rollenklischees von Frauen und Männern (!), die keine Veränderungen zulassen. Werbebilder des aktiven Helden, der guten Mutter, der putzenden Hausfrau usw. So werden schon Kinder geprägt und Vorurteile gefestigt.

    Frei nach dem Motto sex sells stehen die beworbenen Produkte in keinem Zusammenhang zum gezeigten Bild einer Frau. Die suggerierte Botschaft: Frauen sind käuflich, wie das Produkt, für das mit ihnen geworben wird. Damit werden Frauen reduziert und entwürdigt!

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    1. Liebe Katja,
      schön, dass mir endlich mal jemand widerspricht;-)
      Wir sind uns schon einig, dass Klischees und Sexismus in der Werbung absurd vorherrschen – das Propagieren des immer Gleichen ist da offenbar seit den 50ern an der Tagesordnung.
      Wo wir uns allerdings unterscheiden, ist die Frage, ob man dem mit Verboten beikommen kann. Ich glaube einfach nicht, dass man kulturelles Verhalten per Vorschrift in die richtigen Bahnen lenken sollte bzw. kann.
      Wie wäre es, wenn es eine größere öffentliche Sensibilisierung dazu gäbe? Ich denke, die Konsumenten müssen das höchstpersönlich einfordern – und die Sprache, die Unternehmen am besten verstehen, ist die des Geldes. Nicht die der Vorschrift.
      Und dann kommt ja nun auch der Humor nicht zu kurz, wenn die Damen nicht mehr „ohne Anlass lächeln“ oder als „schön“ inszeniert werden dürfen. Das wäre in etwa, als würde man mit Renate Künast für Dior oder H&M werben müssen;-)

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