Stammtisch-Mephisto

So, und jetzt wird es mal richtig peinlich: 

Seit ich bei Twitter bin, folge ich Kai Diekmann, dem Chefredakteur der BILD-Zeitung. Der fragte gestern seine Follower, ob sie helfen würden, auf einem Foto von Alexis Tsipras und Angela Merkel je eine Sprechblase mit Text zu füllen. 

Gelangweilt wie ich von meiner lausigen Erwerbstätigkeit an Freitagen gelegentlich bin, antwortete ich: 

„@SOSOJAJAde: @KaiDiekmann @BILD 

AM: Der ESM ist ausgeschöpft. Da können wir nichts machen.

AT: Dann will ich 12 Punkte beim ESC. Und zwar zinslos!“

Scheißwitz, ich weiß. Aber Bild-Niveau getroffen. Diekmann jedenfalls retweetete das Ding und favorisierte es. Und heute – Alter, ist das peinlich – steht es in der beknackten Bild-Zeitung; allerdings mit deutlich verändertem Text und anderem Bild als in der Vorlage:

„@KaiDiekmann: Danke für die vielen tollen Ideen – besonders an @Str1k3f0rc3 und @SOSOJAJAde! https://t.co/8xCx9BXieC @BILD http://t.co/Icv1KPGHdf“

 

Und meinen Namen haben sie auch noch gedruckt. 

Und nun zu den sich anschließenden Gretchenfragen deren Beantwortung ich mir von euch erhoffe:

1. Wie geht man mit so einer Peinlichkeit um?

2. Was macht man mit dem widerlichen Quäntchen Stolz auf die große Reichweite, die der schlechteste Witz, der einem eingefallen ist, erhält?

3. Wie macht der Diekmann das? Mir kommt er so vor wie der Mephisto des deutschen Journalismus. 

Eine Sache kann man jedenfalls festhalten: Twitter verstehen die BILD-Leser nicht. Zusätzliche Klicks habe ich trotz der Erwähnung und der Reichweite bisher gar keine zu verzeichnen. 

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8 Gedanken zu “Stammtisch-Mephisto

  1. Wer sich herablässt- kein Grund ist eine Entschuldigung!- bei solchen Zeitungen in welcher Form auch immer mitzuarbeiten, ist selber schuld. Das hätte man sich vorher überlegen können.

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  2. „Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. […]“

    Also schenke Dir Dein Gejaule…..

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  3. 1. So wie Du: Man schreibt darüber und macht damit publik, dass einem bewusst ist, dass es ein Fehler war. Man kann das mit der humorigen Distanz machen, mit der Du es getan hast, oder man kann zu Kreuze kriechen und „mea culpa“ rufen. Bei Deiner Variante fühle ich mich wenigstens nicht gleich vor lauter Mitgefühl auch schuldig.
    2. Reflektieren? Check! 15 minutes of fame – we all get them.
    3. Das ist jetzt keine ernst gemeinte Frage, oder? Wie macht er was genau? Dass Leute, die eigentlich denken, „da steh ich drüber,“ doch mitmachen? (Da kommen mir gleich Hitler-Vergleiche, deshalb höre ich hier auf.)

    Interessant dürfte dagegen sein, auszuwerten, wie viele Leute von Bild und wie viele von BildBlog kamen. ;-)

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    1. Bild-Blog war deutlich stärker – allerdings haben sich die meisten Leute nur für diesen einen Artikel interessiert und nicht weitergeklickt, was für mich toll gewesen wäre – schließlich geht es auf meiner Seite ja eigentlich um ganz andere Dinge als alberne Bild-Witzchen…

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      1. Ja, ich bekenne mich schuldig! ;-) Allerdings war ich nach Lektüre der Essay-Überschriften und der About-Seite auch nicht animiert weiter zu lesen. Mir persönlich fehlte eine Richtung, ein Fokus. Für mich war nicht erkennbar, worum es Dir geht, was Dein Anliegen ist mit diesem Blog. Dann bin ich auch schnell wieder weg. (Das nur als ganz persönliches Feedback.)

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