Auf einen Kaffee zwischen zweimal Scheitern

Karl-Theodor zu Guttenberg weiß, was man mit Geld alles machen kann: Nicht nur die Aufmerksamkeit, die es brauchte, ein angesehener und später auch von der Bevölkerung hoch geschätzter Politiker zu sein, hatte mit Geld zu tun. Nein, auch nach seinem Versagen in der Plagiatsaffäre weiß er bestens, dass sich, wer etwas gelten will, möglichst teuer verkaufen muss. Sonst bleibt die Nachfrage bei den Leichen im Keller.

Und so lässt er sich von Bayrischen Rundfunk (alte Heimatverbundenheit? – unkritischer Journalismus inkl.?) für ein Kurzportrait vor die Kamera bitten – nur so „zwischen zwei Terminen“; aber wie sagte Sepp Herberger einst so schön: Nach dem Termin ist vor dem Termin.

Und was er da sagt, ist Eigenwerbung vom Feinsten: Nach der erfolgreichen Polit-Karriere lebt er nun die erfolgreiche Unternehmerkarriere (teuer als Investor erkauft), hat einen neuen Look, ein neues Image, die coolen Klamotten der New Yorker am Leib und Heimatkritik auf den Lippen: Er sehe in Bayern momentan keinen Politiker von internationalem Format, sagt er. Und weiß: Das hört der Horst nicht gern.

Auch zum G7-Gipfel in Bayern hat er eine Meinung. Es fehle das Thema Digitalisierung auf der Agenda, doziert er mit zuckendem Hipster-Bärtchen in die Linse, und man ist geneigt zu glauben, dass er tatsächlich etwas gelernt hat im Land der Digitalisierung & Kapitalisierung.

Und was er dort ganz besonders mitgenommen hat, muss er denn doch mit einem leichten Grinsen vortragen, so sehr passt es auf seine öffentliche deutsche Biografie – es geht um die Kultur des Scheiterns in den USA, wo man immer die nächste Chance geboten bekomme:

„Man muss scheitern dürfen, in Bayern und auch in Deutschland, und wieder neu anfangen können, ohne dann das Land verlassen zu müssen, weil man stigmatisiert ist.“

Das passt wie die Nerd-Brille aufs Auge. Und entsprechend gern hört er sich das sicherlich sagen, der KT. War es also doch offenbar die richtige Entscheidung, in die USA zu gehen. Mal sehen, wann er uns mal wieder heimsucht um uns mit Samuel Beckett zu sagen: „Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.“

Wir würden es ihm sicherlich abnehmen, unserem reichen Onkel aus Amerika.

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