Freiheitsstrafe! – Warum die Deutschen ihr Selbstverständnis überdenken müssen

Da haben wir sie wieder, die German Angst, die die FDP neulich so niedlich in Mut umgekehrt und dann für ihre PR-Zwecke in Anspruch genommen hat: Die Deutschen haben, das wissen wir nun dank einer US-Studie sehr exakt, Angst vor der eigenen Courage. Sie wollen ihre NATO-Partner im Angriffsfall nicht militärisch verteidigen müssen.

Quelle: http://www.pewresearch.org/2015/06/10/ukraine-2015-how-we-approached-our-sample-design-in-light-of-insecurity-in-eastern-ukraine/

Natürlich kann man verstehen, dass ein – übertreiben wir ruhig ordentlich – Russlandfeldzug 2016 in unserer aufgeklärten Gesellschaft nicht gerade zum moralischen Hit taugt. Doch diesmal stünde Deutschland weder als Aggressor noch allein da. Es wäre Verteidiger, nicht Angreifer: ein Verteidiger der Werte, zu denen es 1945 bekehrt wurde.

Nur scheint das niemanden zu interessieren. Wenn es hässlich wird, wollen die Deutschen von der Welt ungestört bleiben. Lieber weisen sie ein paar Südländer finanzpolitisch zurecht und rügen die FIFA weil sie böse war, vermitteln diplomatisch in Konflikten und machen feine Exportgeschäfte – das reicht ihnen als Beitrag zu den internationalen Beziehungen.

Dabei heißt es in unseren eigenen Gesetzen: „Wer bei (…) gemeiner Gefahr (…) nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten (…) ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“ §323c StGB.

Fürs Internationale gibt es Artikel 5 im NATO-Vertrag, der den Bündnisfall entsprechend regelt. Aber das interessiert die Deutschen offenbar wenig. Während in Russland mit jeder weiteren politischen Aggression die Zustimmung zu Putin wächst (siehe https://sosojaja.wordpress.com/essays/mad-wlad-in-love/), genießt man diesseits der Oder-Neiße-Grenze die wärmende Junisonne und vergisst den grauen Osten Europas, und mit ihm gleich die Angst der eigenen Nachbarn.

Dass Deutschland aber gerade aus seiner Geschichte heraus nicht mucksmäuschenstill auf das Vorbeiziehen totalitärer Großwetterlagen in der politischen Landschaft warten kann, sollte man sich spätestens jetzt klarmachen. Es gibt keine richtige Politik in der falschen, wohl aber eine falsche in der richtigen. Deutschland schuldet es den baltischen Staaten und Polen, ihre Sicherheit im Rahmen seiner Möglichkeiten zu wahren.

Sollte man sich im Falle des Falles – der hoffentlich nie, nie, nie eintritt – an den Rand stellen und frei nach dem Motto „wer nichts macht, macht nichts falsch“ zuschauen, so hätte man eine wichtige Lehre aus dem 2. Weltkrieg verpasst: Hitler konnte nur durch ein geeintes Bündnis von Alliierten gestoppt werden. Niemand konnte wegschauen und abwarten. Das war nach München 1938 klar.

Deutschland hätte in einem Bündnisfall die historische Chance, auf der richtigen Seite zu stehen. Momentan sieht es aber so aus, als würde die Bevölkerung zu viel Angst haben, es könnte am Ende doch die falsche sein. Sie muss sich klarmachen, dass das an-der-Seite-stehen keine Option ist. Wir befinden uns nicht neben dem Spielfeld. Wir sind Akteur. Wir sind mittendrin statt nur dabei. Und wir sollten uns schleunigst positionieren. Sonst: Freiheitsstrafe.

Approval Putin

Do you approve the activities of V. Putin as the President (Prime Minister) of Russia?
Quelle: http://www.levada.ru/eng/indexes-0

Wie Putins Zustimmungswerte mit seiner Politik zusammenhängen:

https://sosojaja.wordpress.com/essays/mad-wlad-in-love/

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