Europa, Humboldt und ich

Da mich keiner gefragt hat, möchte ich mal etwas zum Besten geben; nämlich was ich mit dem Humboldt-Forum gemacht hätte, wenn jemand so bescheuert gewesen wäre, mir die Verantwortung dafür zu übertragen.

Was Humboldt selbst mit dem Stadtschloss gemacht hätte, respektive mit dem Bauland, zu dem sich das alte Schloss wilhelminischer Prägung dankenswerter Weise hat einebnen lassen, werden wir nie erfahren. Dass er die alte Mottenkiste der Monarchie mehr oder weniger wieder aufgebaut hätte, lässt sich allerdings bezweifeln.

Viel spannender als Humboldts Version wäre dementsprechend meine! Hier nun also mein Entwurf – mögen sich die Stadtbildverwalter unserer Konsenskultur vor Gram einen Stein ans Herz hängen, der ihnen nie wieder von dort herunterfalle:

Ich würde ein einzigartiges Museum bauen lassen; ein Modell von Europas Zentrum und die Entwicklung bis dahin. Zentrale Themen wären Geschichte und Europa, Zukunft und Welt. Drunter mach ich es nicht.

  1. Man betritt das Gebäude durch einen Höhleneingang aus echtem Felsgestein, vorbei an Platons Feuer, das ein paar Hieroglyphen an die Wand projiziert, geht weiter durch eine Jurte und dann in die denkbar ärmlichsten Hütten, dann etwas weiter durch die Zeitalter, immer entlang der Zeitleiste architektonischer Weiterentwicklungen; von Athen über die Gotik und das Fachwerkhaus, den Barock und die Renaissance bis hin zum Jugendstil und dem Bauhaus, jeweils mit kennzeichnenden Elementen der jeweiligen Zeit. Man geht durch Kriegsvideoräume mit lebensechten 3D Projektionen, spaziert an Königsthronen vorbei und watet durch den Matsch mittelalterlicher Gassen. Das ganze erweitert sich bis in die Zukunft; dort dann weißes Licht, der Fußboden steigt an, alles reflektiert, man kann nichts mehr sehen, muss nach links oder rechts ausweichen, ist geblendet, und der Fußboden geht geradeaus völlig glatt und glänzend als Kurve 90 Grad in die Wand über, die sich letztlich nach hinten überschlägt.
  2. Als nächstes betritt man – nachdem man links oder rechts ausgewichen ist – Europa. Eine Konstellation aus Plattformen in Form der jeweiligen Länder als riesige Karte, jeweils mit einer Treppe in der Landesmitte, durch die man im Untergeschoss mehr über das Land erfährt und illustrierte Verbindungsseile historischer Verquickungen zwischen Ländern findet.
  3. Eine weitere Riesenkarte zeigt die Länder in ihrer geografischen Form als Plattformen mit einem Relief, dass von den jeweils aktuellen Zustandsdaten geprägt ist: Glätte vs. Rauheit für den Demokratieindex, Schieflage der Ebene für wirtschaftliche Einflüsse und Arm-Reich-Gefälle; Daten immer aktuell; das ganze über eine zeitliche Achse als Wellenbewegung anschaltbar, die die Wirren des Krieges z.B. als Sturm der Kontinente abbilden würde.
  4. Dazu Eigen- und Fremdwahrnehmung der Besucher über ihr eigenes Land und andere per Befragung. Apps als Audioguides. Mehrsprachigkeit. Paneuropäische Fressmeile. Eintritt frei, weil EU-gefördert. Endlich hat man mal was von der Mitgliedschaft in diesem Laden.

Stadtschloss aus dem Geb

Und hier die Realität: Das zukünftige Stadtschloss aus einem Fenster des alten DDR-Staatsratsgebäudes heraus fotografiert. Quasi also der Blick der DDR auf den Wiederaufbau monarchischer Architektur. Wenn Häuser gucken könnten, würden sie Augen machen.

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