Warum mein Mitleid mit Griechenland Grenzen kennt

Griechenland wird leiden. Das ist unvermeidbar, und die wirklich schlimme Nachricht liegt darin, dass besonders die normalen, und noch mehr die armen Menschen in Griechenland dieses Leiden ertragen müssen.

Wäre es nur das, so wäre das zu ertragen. Dann müsste man helfen, komme was wolle. Aber Griechenland weigert sich, seine eigenen Reserven anzuzapfen, um die Katastrophe abzuwenden. Die Griechen gehen willentlich durch die ökonomische Hölle, um sich politisch nicht fundamental verändern zu müssen.

Dass die Griechen wütend sind, ist absolut verständlich. Doch ihre Wut sollte sich gegen ihre eigenen Eliten richten. Gegen ein politisches System, dass sich ausschließlich um die Abwendung von substanziellen Veränderungen bemüht hat; das die großen Probleme des Landes nicht anpackt:

  • Warum gibt es keine Besteuerung großer Vermögen?
  • Warum gibt es keine funktionierenden Finanzämter, um Steuern gerecht eintreiben zu können?
  • Warum werden die horrenden Militärkosten nicht massiv gekürzt?
  • Warum werden nicht mehr Beamte wieder entlassen, wenn sich deren Zahl von 2004 bis 2009 verdoppelt hat?
  • Warum wird die politische Kaste nicht angetastet; warum gibt es keine strukturellen Konsequenzen?

Warum, kurz gesagt, rebellieren die Griechen eigentlich gegen die Sparauflagen – die natürlich ohne Wachstumspaket unsinnig sind –, und nicht gegen ihr eigenes politisches System, das sie in diese Lage gebracht hat und nun daran scheitert, sie wieder daraus zu befreien?

Es ist nicht zu verstehen. Die griechische Öffentlichkeit und die Bevölkerung werden noch radikaler werden, die Menschen werden verarmen und man wird die Sündenböcke ausgiebig hassen. Diese nationale Katastrophe wird möglicherweise Menschenleben kosten; zumindest wird sie die Lebensläufe von Millionen verbocken.

Es ist ein – griechisch-demokratisch – selbstgewähltes Leid. Mögen andere Länder daraus lernen, wenn es die Griechen selbst schon nicht tun.

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2 Gedanken zu “Warum mein Mitleid mit Griechenland Grenzen kennt

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