Heim und Heimat

Die Deutschen begrüßen Flüchtlinge in einzigartiger, positiver Weise. Doch in der Wirklichkeit ihres Asylverfahrens verketten sich Probleme und Gefahren zu einem großen Komplex. 

Die Lage der Flüchtlinge nach Europa ist in aller Munde; eine einzigartige La-Ola-Welle des Wohlwollens und der Hilfsbereitschaft schwappt durch die deutsche Öffentlichkeit. Reihenweise melden sich Freiwillige und Ehrenamtliche und bieten ihre Unterstützung an; im digitalen Deutschland folgt auf ein Aufweichen der Willkommenskultur schnell der verbale Lynchprozess; unter #BloggerFuerFluechtlinge werden unzählige Beiträge geschrieben und Spenden gesammelt. Die Ideen sprudeln nur so; Deutschland zeige sich, so urteilt die internationale Presse, von seiner besten Seite.

All das sind hauptsächlich gute Nachrichten. Wir helfen denen, die Hilfe brauchen, egal wo sie herkommen, wie sie aussehen und was sie für einen Hintergrund mitbringen. So viel Humanität muss eine offene, wohlhabende Demokratie von sich verlangen. Wir tun das Richtige.

Leider aber folgt jeder Hurrastimmung irgendwann der Kater. Wie lange noch wird es dauern, bis nach einigen ernsteren Problemen mit den Flüchtlingen der reaktionäre Blickwinkel wieder den Ton in der Presse angeben wird? Steigern wir nicht gerade die Fallhöhe dieser Thematik sosehr, dass wir Gefahr laufen, danach in ein sehr tiefes Loch zu fallen? Was passiert, wenn dunkelhäutige Männer, die nicht arbeiten, dauerhaft in größeren Gruppen die Tage auf öffentlichen Plätzen rumbringen und nach Mekka beten?

In weiten Teilen der Hurra-Presse gilt die Unterstellung dieses Szenarios an sich schon als fremdenfeindlich. Was aber werden die Flüchtlinge mit ihrer freien Zeit tun? Sie sind mehrheitlich männlich, jung, dürfen fürs Erste nicht arbeiten, haben eine oft sehr andere Kultur als die deutsche und sie werden gemeinsam untergebracht. Fremdenfeindlich oder nicht – es wird Spannungen geben, und wer diese Tatsache ignoriert, leistet den wirklichen Rassisten einen wertvollen Dienst.

So kommt es zum Beispiel vor, dass Menschen aus Nichtkriegsgebieten in die wohlhabenden europäischen Länder flüchten, um eine andere Identität anzunehmen oder Gelder abzugreifen. Besonders aus den Balkanländern sind hinreichend Betrugsfälle bekannt geworden; das mehrfache Durchlaufen des Asylverfahrens inbegriffen, wobei jede Verfahrensrunde zum Empfang der entsprechenden Zahlungen berechtigt. Denn auf dem Weg ins reiche Europa stellt sich Flüchtlingen mit finanziellen Interessen die einfache ökonomische Frage, welches Land einem Asylsuchenden am meisten zahlt.

Und in diesem Vergleich ist Deutschland ganz vorne mit dabei. Seit März 2015 sind Asylbewerber Hartz-IV-Empfängern finanziell gleichgestellt. Damit ist Deutschland für Flüchtlinge, die sich ihren Aufenthaltsort innerhalb Europas aussuchen können, hoch attraktiv. Asylanträge in Deutschland zu stellen, kann für entsprechende Staatsbürger zu einem lukrativen Geschäftsmodell werden.

Was aber passiert nun, wenn solcherlei Geschichten in der Presse irgendwann aufgeputscht werden? Wenn die Stimmung kippt und der Boulevard plötzlich die Zähne fletscht, nach dem Motto: Wer mit uns im gesellschaftlichen Fahrstuhl nach oben fährt, der fährt darin auch mit uns wieder nach unten?

Was passiert, wenn kriminelle Einzeltäter oder ausländische Banden und echte Flüchtlinge als eine Gruppe wahrgenommen werden? Banden, die möglicherweise für einen nicht unwesentlichen Teil der Kriminalität in Deutschland verantwortlich sind? Die mit Drogen dealen und undurchsichtige Strukturen aufbauen?

Überhaupt scheint es einen nicht ganz so hilfsbedürftigen Teil von Asylsuchenden zu geben. Es sind jene Männer, die ihre Herkunft verschleiern und im Asylverfahren irgendeinen Namen annehmen, weil sie dann nicht mehr zugeordnet und also auch nicht abgeschoben werden können. Männer, die offiziell geduldet sind, und das teilweise seit Jahrzehnten, ohne das Recht auf Arbeit. Leute, die man nicht einfach abschieben kann; egal woher sie nun kommen.

Wie werden wir die Kriegsflüchtlinge also wahrnehmen, die Familien aus Syrien zum Beispiel? Die geradeso ihr Leben retten konnten, die sich unter unmenschlichen Bedingungen nach Deutschland durchschlagen mussten? Sollen sie in dieses bestehende System eingefügt werden? Oder sollte man es möglicherweise grundlegend reformieren; jetzt, wo derart viele Menschen nach Deutschland flüchten – besonders eben solche, die es verdient haben, nicht mit (unter anderem) Verbrechern und Schmarotzern in einen Topf geworfen zu werden? Solche, die unseren Schutz suchen und an unserem Wohlstand teilhaben möchten?

Dass sie an unserem Wohlstand teilhaben wollen, bedeutet nicht, dass diese Leute gerade das Stück vom großen Kuchen haben möchten, das jemand anderem gehört. Es bedeutet im besten Fall, dass sie den Kuchen gern etwas größer machen möchten, damit auch sie ein Stück davon haben können. Wir sollten ihnen die Möglichkeit dazu geben.

Denn wer weiß schon, wie lange es dauern wird, bis die Öffentlichkeit keinen Unterschied mehr zwischen diesen Menschen und denjenigen macht, die das Asylsystem seit Jahren ausbeuten? Und dann? Wartet der Mob rassistischer Volksverhetzer, der ihnen ans Leben will?

Obdachloser

Die Zukunft ist international. Oder reaktionär.

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