Dreckige, tiefe Probleme

Die kriminelle Energie, die der VW-Konzern beim Fälschen von Abgaswerten an den Tag gelegt hat, ist schockierend; alle Welt regt sich zu Recht darüber auf und auch ich möchte nicht versäumen, so laut ich kann diesen Drecksladen niederzubrüllen, schließlich brauchen wir einen neuen Familienwagen und hatten einen VW ins Auge gefasst, dessen Preis sich wohl am besten nach unten verhandeln lässt, wenn die Marke am Boden liegt und ich den Verkäufer hämisch fragen kann, welchen der Angaben des Herstellers man denn nun vertrauen könne und welchen nicht.

Das tiefere Problem der Geschichte liegt aber nicht in der kriminellen Energie des Unternehmens; auch nicht in der Organisationsstruktur, der Moral irgendwelcher Ingenieure, den sinkenden Absatzzahlen oder der ziemlich teuren Delle im Image der Marke.

Es sind auch nicht wirklich wahre Meinungen wie die von Sibylle Berg, die in ihrer Kolumne (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/gleichberechtigung-das-maerchen-von-managerinnen-kolumne-a-1054506.html#ref=meinunghp) sagt, dass es frappierend sei, dass es wieder Männer sein sollen, die die Fehler dieser Männerwirtschaft beheben müssten.

Das tiefere Problem ist, dass es gewinnorientierten Unternehmen – speziell solchen, deren Anteile am Aktienmarkt gehandelt werden – um nichts anderes geht, als die Gewinne von heute und die Gewinne von morgen. Worum sollte es ihnen auch gehen? Wenn man einer Organisation keine andere Zielsetzung implantiert, wird sie eben nur die eine haben. Das ist simpel.

Insofern lässt sich eine solche Krise wie die des VW-Konzerns gar nicht vermeiden, sondern sie ist vielmehr eine Frage der Zeit. Der billige Versuch, um Regulierungen herumzukommen, die dem Allgemeinwohl dienen, mag dumm sein. Aus der Logik des Geldverdienens hatte er einen gewissen Sinn.

Was wir brauchen, sind neue, breiter gefächerte Motivationsstrukturen für Unternehmen. Wenn Unternehmen für Menschen da sind, und nicht Menschen für Unternehmen, dann passiert so etwas schon aus den intrinsischen Gründen einer Organisation heraus nicht mehr. Und das wäre nicht nur für die Menschen und die Umwelt gut, sondern auch für das Unternehmen. Dann dürfte man sich auch zu Recht wieder Volkswagen nennen müsste sich auch nicht mit Schnäppchenjägern herumschlagen, die versuchen, aus solchen Krisen noch am Gebrauchtwagenmarkt Kapital zu schlagen.

VW

Delle im Image

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s