Interview mit dem Bestseller-Autor Jason Starr

Der Bestseller-Autor Jason Starr wurde 1966 in Brooklyn, New York geboren. Mit seinen Romanen war er zunächst in den USA erfolgreich, wurde dann in mehrere Sprachen übersetzt und verkauft besonders im deutschsprachigen Raum regelmäßig große Auflagen. Zuletzt erschien von ihm „Phantasien“ im Diogenes Verlag.

JStarr

Jason Superstarr

  1. Ihr neues Buch „Phantasien“ erschien am 23. September in Deutschland. Worum geht es?

„Phantasien“ ist ein satirischer Thriller, der in einer wohlhabenden Gemeinde in den Vororten New Yorks spielt. Eine geschiedene Frau ist das Subjekt der Phantasien eines verheirateten Mannes; das ganze passiert im Zentrum der Ermittlungen in einem Mordfall. Es geht um Beziehungen, Sex, Mord – Sie wissen schon, all die Dinge, die eben Spaß machen.

  1. In Ihren Büchern taucht immer wieder New York auf. Wie wichtig ist Ihnen die Stadt für Ihre Arbeit?

Für die meisten meiner Bücher ist sie sehr wichtig. Ich bin sicher, dass die New Yorker Einstellung, die Intensität und die Geschwindigkeit der Stadt ganz bis zu mir durchdringt. „Phantasien“ ist so eine Art Ausnahme für mich, denn es spielt in Westchester. Aber obwohl der Schauplatz außerhalb der Stadt liegt, gibt es immer noch so eine Art City-Klaustrophobie in der Geschichte. In kleinen Gemeinden wissen die Leute genau, wer was tut, es gibt weniger Privatsphäre, dafür eine Menge Gerüchte und Andeutungen, und die Leute unterstellen sich gegenseitig vieles – und oftmals falsches.

  1. Haben Sie je außerhalb der USA gelebt?

Ich habe für ein paar Monate in Mexiko gelebt, als ich zwischen 20 und 30 war. Und ich bin viel herumgekommen, habe aber immer hauptsächlich in der Gegend in und um New York gelebt.

  1. Sie schreiben auch noch Comics und Drehbücher. Was bevorzugen Sie; wo sehen Sie sich selbst? Werden Sie in Zukunft zum Beispiel mehr mit der Filmindustrie zusammenarbeiten?

In den letzten paar Jahren habe ich eine Menge Comics gemacht; unter anderem für Marvel, DC, Vertigo und Boom! Studios. Und über die Jahre kamen auch ein paar Drehbücher hinzu; ich habe vor allem meine eigenen Bücher adaptiert. Zuletzt habe ich zwei TV-Pilotsendungen als Co-Autor geschrieben, was ich sehr spannend fand. Solche Ausflüge in die verschiedenen Genres machen mir viel Spaß, aber die private Erfahrung einen Roman zu schreiben, hat einfach etwas ganz Besonderes. Einen Roman zu schreiben ist wie ein großes Geheimnis zu bewahren. Aber trotzdem: Ich versuche die Balance zu halten zwischen Romanen und Kooperationen in anderen Bereichen. Auf diese Art kann ich meine Kreativität auch ein bisschen herausfordern.

  1. Sie gehen, wie gesagt, über Genre-Grenzen. Worauf kommt es Ihnen an, wenn Sie etwas schreiben?

Ich versuche einfach Geschichten zu schreiben, die Spaß machen, und dabei meine Charaktere ernst zu nehmen. Für mich geht es hauptsächlich um die Einstellung der Charaktere. Wenn ich schreibe, fühle ich mich wie ein Schauspieler, der die verschiedenen Rollen spielt. Ich nehme mir nicht vor, innerhalb eines bestimmten Genres zu schreiben. Einige meiner Thriller haben sehr starke Mystery-Elemente, andere sind sehr satirisch geworden. Ich lasse die Figuren die Geschichte einfach dahin bringen, wo sie sie hinbringen.

  1. Gibt es außer New York noch andere autobiografische Anker zu denen Sie regelmäßig zurückkehren?

Das einzig Autobiografische steckt in den Themen. In meinem ersten Buch „Cold Caller“ zum Beispiel geht es um einen mordenden Tele-Verkäufer. Ich habe auch als Tele-Verkäufer gearbeitet, aber ich morde nicht. Ich habe auch über andere Jobs geschrieben, in denen ich gearbeitet habe, ich habe Geschichten an Orten angelegt, die ich gut kenne – ich kenne zum Beispiel die Westchester-Gegend aus „Phantasien“ extrem gut, weil ich dort Freunde und Familie habe. Meine Charaktere sind aber immer erfunden.

  1. Wie einsam ist das Leben als Schriftsteller? Freuen Sie sich manchmal auf Ihre Lesereisen, um mal wieder vom Schreibtisch wegzukommen?

Eigentlich fühle ich mich als Autor nie einsam. Ich habe das Gefühl so gut wie nie. Wenn es gut läuft, unterhalte ich mich immer bestens mit meinen Figuren.

  1. Was meinen Sie, warum Sie gerade im deutschsprachigen Raum so erfolgreich sind?

Ich glaube, dass ich mit Diogenes einen großartigen Verlag habe, der meine Bücher sehr sorgfältig und leidenschaftlich verkauft. Ich vermute auch, dass meine Art zu Schreiben – meist eben psychologisch-satirische Thriller – gut zu den deutschen Lesern passt. Patricia Highsmith hat auf dem deutschen Markt sehr großen Erfolg gehabt, Ian McEwan ebenfalls. Ich würde sagen, Diogenes hat gute Arbeit geleistet und eine breite Leserschaft für Romane mit dunklen, verdrehten Themen gefunden.

  1. Welches in diesem Jahr erschienene Buch können Sie empfehlen?

Bisher zwei: Green Hall von Ken Bruen und The Cartel von Don Winslow. Beide Meister auf der Höhe ihres Könnens.

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