extra-3-türkei

Man kennt das ja. Wenn ein 13jähriger was will, dann setzt er es durch. Da wird gemeckert, gejammert, geschrieen und gekloppt: Am Ende gibt es einen Kompromiss, mit dem er besser leben kann als seine Eltern.

Das Verhältnis zwischen dem Türkischen Präsidenten Erdogan und der EU scheint ein ähnliches zu sein: Wenn der kleine Recep Tayyip was will, dann zittert das Stimmchen, er wird ganz fruchtbar böse und fuchtelt die wohlmeindenden Streicheleien der Europäer unwirsch fort.

Die Lebenserfahrung der anderen nervt, das ist schon mal klar. Einen bedeutenden Unterschied gibt es allerdings zwischen der Herrschsüchtigkeit Erdogans und der eines 13jährigen: So ein Teenager hat wenigstens in aller Regel verstanden, wie die westlichen Medien so ticken. Das war dem Präsidenten der Türkei offenbar noch nicht zu vermitteln. Sonst hätte er nicht wegen eines kleinen Satireliedchens von extra-3 den deutschen Botschafter einbestellt, auf dass der die freie Welt veranlasse, diese Beleidigung aus dem Gedächtnis des Internets zu löschen.

http://youtu.be/R2e2yHjc_mc

Der übel als „Boss vom Bosporus“ Beschimpfte, dem vorgeworfen wird, ein großosmanisches Reich installieren zu wollen, Journalisten wegen offen zur Schau gestellter Pressefreiheit einzukerkern und statt des IS lieber die Kurden zu bombardieren – dieser von deutscher, öffentlich-rechtlicher Satire also schwer gezeichnete Staatenlenker hat sich nun dazu aufgeschwungen, einem NDR-Nischenformat zu internationalen Weihen zu verhelfen: Dass man ihm die Realität seiner Politik zur Melodie eines alten Nena-Songs entgegensingen musste, das verstößt, da sind der Präsident und ich allerdings einer Meinung, schon eindeutig gegen die Genfer Konventionen.

Und da man nun also sicher sein kann, dass Erdogan international von dieser PR-Welle so gar nicht profitieren wird, fragt man sich natürlich: Cui bono? Wem nutzt das ganze Theater? Zählen wir mal auf:

Es bleibt dabei: Wer glaubt, er könne die freie Welt seinen Diktaturregeln unterwerfen, wird Satire ernten. Und wer Satire – gleich wie klein oder egal sie ist  – verbieten will, wird Satire im Quadrat ernten. Und wem das noch immer nicht reicht, der kann die Potenz gern auf extra 3 erhöhen.

Vielleicht findet sich ja irgendein demokratieverwöhntes, 13jähriges Wohlstandsopfer, das bereit ist, dem Opa vom Bosporus solche Kleinigkeiten westlicher Medienmechanik mal beizubiegen. Muss aber nicht. Ist so ja doch irgendwie unterhaltsamer.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/tuerkei-verlangt-offenbar-das-extra-3-video-zu-loeschen-a-1084490.html

 

 

 

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