Die Trump-Tillersen-Putin-Connection

Die ganze Welt redet nur von einem einzigen Mann, von Donald Trump, und keiner weiß mehr über ihn als alle sowieso schon zu wissen meinen, nachdem sie die vielen unsäglichen Dinge lesen mussten, mit denen er das Jahr 2016 zur komödiantisch aufbereiteten westlichen Tragödie hat werden lassen. Und da nun mal wie gesagt alle nichts wissen und auch mir der Spion in der besenrein verlassenen linken Gehirnhälfte des neuen US-Präsidenten fehlt, tue ich, was die anderen tun – ich spekuliere ein bisschen. Nur eben interessanter.

Gegenstand meiner unhaltbaren, nicht beweisbaren und respektlosen Unterstellungen soll die Beziehung Trump-Putin sein, und zwar nicht nur im Sinne einer Bromance (Brother + Romance; ein beispielsweise Joe Biden und Barack Obama nachgesagter Männerfreundschaftsstatus, bei dem man sich auch schon mal abseits von Valentinstagen mit sowas wie der höchsten zivilen Auszeichnung seines Landes, in diesem Fall die Presidential Medal of Freedom, überrascht). Mir geht es stattdessen um Handfesteres. Quasi um die Wurst.

Es ist im Grunde nicht einzusehen, warum ein lupenreiner, narzisstischer Kapitalist, der auch noch für die Republikaner als Präsidentschaftskandidat antrat, mit Wladimir Putin ausgerechnet den russischen Präsidenten hofieren statt dämonisieren sollte. Nachweislich kommt das Verteufeln russischer Staatschefs gut bei den Wählern der Republikaner an, man kann sich mit diesem Feindbild zum starken Mann erklären, zum Bewahrer von Freiheit und Marktwirtschaft gegen den in den USA so verhassten Kommunismus, bla, bla, bla. Es gibt viele Gründe, warum Trump auf Putin hätte eindreschen müssen, und sie alle sind schlagkräftig, jahrzehntelang erprobt und funktionieren effizient.

Allerdings: Trump hat das Gegenteil getan. Er hat Putin hofiert. Aber warum?

Natürlich sagen jetzt alle: Ist doch klar – Machoproletencowboy hofiert Machoproletencowboy, damit der eine Machoproletencowboy den anderen Machoproletencowboy als echten Machoproletencowboy anerkennt. Doch das wäre zu einfach. Anerkennung unter Machoproletencowboys funktioniert über Kampf und Konkurrenz, nicht über Anbiederung. Es muss also etwas anderes sein.

Setzen wir an der Wurzel an. Als Donald J. Trump in seinen Wahlkampf startete, gab es wahrscheinlich nur eine einzige Person, die an seinen Erfolg glaubte: er selbst. Für die Außenwelt war er nicht mehr als ein schriller Milliardär, ein Reality-TV-Star, ein Mann der Wirtschaft, und dann noch nicht mal des Silicon Valley, sondern der – gähn – Baubranche. Das Interessanteste an ihm war noch immer seine Frisur. Oder was er eben stattdessen Charakteristisches auf dem Kopf trägt.

Was also hatte Trump als Startkapital für seinen unwahrscheinlichen Erfolgszug zur Verfügung? Er war prominent und reich. Allerdings wurde er auch verlacht. Präsidialer Respekt und Donald Trump? – Im Jahr 2015 hätte das so gut zusammengepasst wie der Friedensnobelpreis und Baschar al-Assad. So zumindest der Blick der Öffentlichkeit. Aus Trump-interner Perspektive müssen – und das ist keine bloße Spekulation, sondern Logik – seine hervorragenden Kontakte mit auf der Haben-Seite gestanden haben. Wer Kontakte hat, kann etwas aus ihnen machen.

Trump wird also bilanziert haben: sehr viel Geld, zwielichtige Prominenz, exzellente Kontakte. Wie bekommt man aus diesen drei Zutaten einen Präsidentschaftswahlsieg zusammengeköchelt?

Aus dem Geld machte er die Story, nicht von Spendern abhängig zu sein, während seine Konkurrenten genau das seien: allesamt gekauft. Das funktionierte außerordentlich gut. Trump galt plötzlich als unabhängiger, freier Kandidat, der kein Blatt vor den Mund nahm und die Wahrheit aussprach. Aus der Prominenz und seiner Schrillheit holte er unfassbar viele Schlagzeilen. Niemand bekam so viele Fernsehminuten wie er, niemandes Twitteraccount wurde so intensiv besprochen. Ein weiterer Volltreffer.

Was aber machte er aus seinen Kontakten? Wie versilbert man Beziehungen, die hauptsächlich in der Wirtschaft liegen, vor allem, wenn man das, was die Wirtschaft zu bieten hat – in erster Linie also Geld – selbst im Überfluss hat? Und wie behebt man mit Geld bzw. Macht das Problem, als zwielichtige, nicht präsidiable Person angesehen zu werden?

Gehen wir mal davon aus, dass Trump im engeren Kreis seiner Leute nachgefragt haben wird: Wie könnt ihr mir helfen? Was könnt ihr tun, um mein Image aufzupolieren und meine Kandidatur voranzutreiben? Kennt ihr vielleicht jemanden, der dabei behilflich sein könnte?

Man darf annehmen, dass in einer solchen Runde auch jemand wie Rex Tillersen saß. Und dass der damalige ExxonMobil-Chef gesagt haben könnte: I know Putin personally.

Putin ist einer der wichtigsten und mächtigsten Menschen der Welt – doch wie konnte Trump Kapital aus der Verbindung schlagen? Es war klar, dass Putin eigentlich, aus Sicht eines republikanischen Präsidentschaftsbewerbers, ein klassisches Feindbild wäre. Was also könnte Putin schon für ihn tun?

Bringt man nun aber den Kontakt zu Putin und die kritisch-belächelnde Darstellung Trumps in den westlichen Medien zusammen, so kann man einen tückischen Plan ausbaldowern. Der Deal geht so: Putin manipuliert von Russland aus die US-Wahlen zu Trumps Gunsten – ein inzwischen als sicher geltender Fakt. Trump ist klar, dass er die Wahlen im fairen direkten Duell nicht gewinnen würde. Mit Hilfe einer Cyberoffensive dagegen vielleicht schon. Diese aber selbst zu führen, würde ihn als undemokratisch diskreditieren; ihn als Wahlfälscher, Betrüger und Verbrecher sogar der Justiz aussetzen. Die Offensive muss also aus feindlichem, unantastbarem Territorium kommen, für den Fall, dass sie auffliegt. Aus Russland zum Beispiel.

Was aber bekäme Putin dafür? Nun ja, wieder muss spekuliert werden, doch die Logik hilft ebenso wie ein Blick auf erste politische Positionen Trumps:

  1. Infragestellen der Wirtschaftssanktionen gegen Russland aus der Ukrainekrise
  2. Rückzug der Nato aus der russischen Einflusssphäre

Tillersen hingegen würde auf offensichtliche Weise profitieren: Wären die Sanktionen vom Tisch, so könnte Exxon endlich an die russischen Ölreserven ran – immerhin ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gasvorkommen liegen in russischem Territorium, und ein Vertrag darüber, dass Exxon sie fördern darf, liegt seit dem Jahr 2011 vor. Außerdem wird Tillersen von Trump zum Außenminister ernannt – ein politischer Novize, noch vor allen republikanischen Anwärtern; darunter diplomatisch versierte Schwergewichte und Polit-Stars wie Newt Grinrich oder Mitt Romney.

Es wäre also eine win-win-win-Situation:

  • Trump wird mit Russlands Hilfe US-Präsident.
  • Tillseren, privat mit einem dreistelligen Millionenbetrag an Exxon beteiligt, steigert für die Vermittlung den Wert des Unternehmens sowie sein eigenes Vermögen massiv und wird zudem noch US-Außenminister.
  • Putin wird die Sanktionen und damit eine schwere wirtschaftliche Belastung für sein Land los und bekommt in Trump einen zugewandten und erpressbaren Gegenspieler. Außerdem erreicht er langfristig auch noch den Rückzug der Nato aus dem erweiterten Umfeld russischer Territorien und bekommt die strategische Chance, sich selbst und sein Land weiter auf diplomatischem Parkett zu profilieren.

Zweifelsohne profitiert Putin in diesem Szenario am stärksten. Flöge das Komplott auf – etwa in einem Untersuchungsausschuss zur russischen Einflussnahme, wie ihn Trump derzeit ablehnt – so wäre niemand angesichts Putins Rolle überrascht. Trump und Tillersen dagegen würden in den USA geteert und gefedert.

Was wohl auch der Erpressungsgegenstand sein würde, von dem die US-Geheimdienste behaupten, dass ihn Russland gegen Trump in der Hand habe. Ob es im Hintergrund auch noch ein Video über irgendwelche Gang-Bangs des Proleten Trump in Moskauer Hotels gibt – Herrgott, bitteschön, sicherlich. Aber das wäre nur ein weiteres unterhaltsames YouPorn-Video. Die Trump-Tillersen-Putin-Connection hingegen wäre weit mehr: nämlich der geglückte, vollzogene und endgültig abgewickelte Abverkauf demokratischer Werte an autokratische Regime. Und damit eine fundamentale, irreparable Niederlage des Westens mit all seinen hochgehaltenen Werten und Vorstellungen vom guten, richtigen Leben.

Aber keine Angst. Ist ja alles nur eine Spekulation. Sowas würde ja keiner wirklich machen. In Sindelfingen. In Quakenbrück. In Halberstadt. Oder wo auch immer sie das hier lesen.

Nicht wahr?

 

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Ehemaliges US-Feindbild Putin: How to buy a US-President

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